Sonntag, 29. Juni 2014

Dänischer Mittsommer "St Hans"


Montag, 23. Juni, 2014
Seit wir Mädels vor einer Woche losgezogen sind, befinden wir uns im Grenzgebiet eines Atlantikhochs und den aus NE heranziehenden Tiefs.

Heute bläst uns ein kalter Nordwind wach und verleiht der Hafenatmo etwas Erregtes. Zu allem Überfluss hat E schon mal Fressen für den Hund M am Steg ausgebracht. So schnell, wie sich eine Riesenhorde Möwen darauf stürzt, kann man gar nicht kucken. 

Abends entfachen die Dänen ein Feuer am Weststrand (St Hans, zum Geburtstag von Johannes dem Täufer). Dort werden symbolisch drei Hexen verbrannt, deren Geister zu unserem Blocksberg im Harz fliegen, so die Saga. Für die Dänen ein Anlass zum feiern und eine willkommene Gelegenheit, einen akuten Brand in der Kehle mit ausreichend Alkohol zu löschen (wiederum symbolisch), als bräuchte es einen triftigen Grund dafür... 

Wind: N 3-4kn

Teddy!!! Oder: Jeder pult für sich allein


Sonntag, 22. Juni, 2014
Amtlich ausgeschlafen (außer E, die um 7:00 vom Hafenmeister geweckt wird). Gegen Mittag wird der strahlende Sonnenschein wiederum von zwei Schauerböen unterbrochen. Die erste bringt innerhalb von 15 Minuten mehr als eine Verdreifachung der Windstärke (von 8 kn auf 26,5). Die zweite bringt 28,9kn Wind. Faszinierend. 

Die klare Luft lockt uns wieder hinaus. Pausieren von unserem Spaziergang unter einem stark duftenden Jasminstrauch im Garten des Kro. Genießen den Duft der Luft und die Ausblicke über die Insel bis zum Horizont. Wir treffen einen "alten Bekannten" wieder (einen achtzigjährigen Einhandsegler, dessen Leinen wir angenommen haben, als er spät und bei viel Wind im Hafen von Ballen ankam). Schließen auch neue Bekanntschaften mit freundlichen Engländern von einer Moody und halten Schwätzchen hier und da.

Am Strand finden sich vier Herzsteine für die Sammlung der Drei Ms (die sollen bald mal wieder an Bord kommen, damit der Enkel Seebeine bekommt).

Unser Anholtblumensträußchen im Cockpit sieht entzückend aus. Am Abend trifft der Gatte von E mit Hund auf der Insel ein. E freut sich zwar, ist aber unterdessen auch ganz wild auf "Teddy", den Hund eines Stegnachbarn.

Als der Nachbar mit Teddy längs kommt,
Der Hund M
rächt sich der Gatte von E mit trockenem Humor: "Der kleinere ist der Hund, oder?" Jeder pult für sich allein. Zum Nachtisch brist es nochmal richtig auf.

Wind: W 4-5; in der Schauerböe 28.9 kn
Und sonst: 
- Glockenblümchen und hellblauen Schmetterling gesichtet (E)
- Verlust einer Ersatzlesebrille beim Aufschauen in die Takelage
- vom Steinmann auf der Pier fällt heute vom Schiff kommend besonders die helle Gedankenblase rechts am Kopf auf. Ob er Zementgedanken denkt?

Sind die Gedanken des Steinmanns aus Zement...?

Der längste Tag

Amtlicher Anholt-Strauß


Samstag, 21. Juni, 2014
Drifter's First Escape-Vorspiel der Frauen geht heute leider zu Ende. T und M mit der 8:00-Fähre, die erst um 9:00 fährt, Richtung Heimat :-( Nur E bleibt noch bis nächste Woche, Gatte und Hund kommen nämlich noch :-) Ein Kommen und gehen. Wie im richtigen Leben.  Erst bläst und später schüttet es. Eingeweht auf Anholt, der holden Insel im Kattegat...es gibt schlimmeres. T hat über Nacht für jeden der fünf Füße unseres Hockers an der Navi ein Söckchen gehäkelt, damit die Dielen nicht so leiden müssen. Merzieh! Eine sehr willkommene Art, sich auf der Drifter zu verewigen :-)

Der Fischer hat heute ein paar amtliche Jomfruhommeren (zu deutsch Kaisergranat) rausgerückt. 1 kg pro Person müssten wir schon haben, meint er, und verlangt lediglich160 DK (ca 23€) für die 4kg — ein Gebinde, für das wir in den Gourmettempeln des Großstadt-Dschungels mindestens das Zehnfache hätten berappen müssen.

Ab Mittag zieht eine Regenböe nach der anderen über uns hinweg. Der Gatte von E kommt erst morgen. Er hat wg eines Autounfalls auf der Strecke seine Fähre verpasst. Zum Abendbrot marschieren wir also zu dritt in den Kro, wo wir die Fußball WM weiter verfolgen können: Deutschland/Ghana — ein sehr faires und lebendiges Spiel. Die Körpersprache der Ghanaer! Sie vollführen einen wahrlich "spottlichen" Siegestanz, nachdem sie mit den Deutschen gleichziehen. Das Spiel endet unentschieden 2:2. 

Auf dem Rückweg nehmen wir eine Abkürzung über den Berg. Selbst im Wald ist die Nacht noch nicht ganz dunkel. Wir schrecken eine Kranichfamilie auf. Etwa sechs oder sieben an der Zahl stieben in alle Richtungen aus ihrem Nest. 

Zurück im Hafen bietet sich uns ein himmlischer Anblick der besonderen Art: Eine Elefantenparade aus Wolken! Der größte marschiert vorweg, der kleinste zum Schluss, wobei alle einander fröhlich ihre Rüssel in den Arsch stecken. Humor ist also eine Himmelsgabe! Der Wind bläst bis weit in die Nacht hinein einen köstlichen Duft nach Kiefern und der obligaten Inselmischung in unsere Nasen.

Tageshöchsttemperatur: 16°C
Wind max: 27kn