Samstag, 13. September 2014

Nachhausekommer-Blues

Juelsminde nach Middelfart, Dienstag, 12. August 2014

Unser Wetterfenster tut sich früh auf. Da wir nicht wissen wie lange noch, ziehen wir früh los (Motor an 6:45 Uhr). Die Wetterberichte ändern sich stündlich. Die Frau Kapitän meint zwar, es habe sich ausgeblasen, denn die Isobaren liegen schon viel weiter auseinander als in den letzten Tagen. Dennoch haben wir mehr Wind als vorhergesagt: Wir starten mit SW 5 Bft, zunehmend 6, in Böen 7, der Seegang ist aber nur halb so wild. Beim Schießgebiet vor Fredericia leider 3 kn Strom gegenan! Gut, dass unser Etmal heute so klein ist. http://youtu.be/ZtKbp5jgb28 

Im Gamle Havn von Middelfart ist genug Platz für uns. Mit der Gewissheit, dass wir uns in der Nachsaison befinden, klopft der Nachhausekommer-Blues an die Hintertür. Ankommen, Frühstücken, Nickerchen, Stadtbummel. Die Einkaufsstraße: surreal. Als betrachteten wir uns selbst mitsamt einem Abklatsch unserer "Kultur" in einem Museum. Wir sind auch Ausstellungsstücke! In den Geschäften Waren aus stinkenden Materialien, die niemand braucht,  und Modeartikel mit Mustern und Farbkombinationen, bei deren Anblick das Auge Schmerzsignale ins Hirn schickt, und die keiner Zeit zu entstammen scheinen. Wer trägt sowas? Ab und an regnet es. Seit die Auswirkungen von Bertha über uns gekommen sind, scheint der Sommer schlagartig vorbei. (Heute morgen aufgebrochen mit schwerem Ölzeug und Handschuhen).

Wie um die Stimmung zu heben hat die Fischbude auf. Wir grillen im Cockpit zu dramatischer Sonne unter. Hinter uns liegt die Aventura mit einem Motorengeräusch wie eine ganze Percussionband. http://youtu.be/HTExQcyJRuI Der Skipper, der heute morgen die Herstellung von Reifenfendern unterbrach, um unsere Leine anzunehmen, erzählt, wie er nach seiner Rückkehr aus der Karibik zusammen mit seinem Motor, einer afrikanischen Band und vielen Freunden seine Heimkehr gefeiert hat. Gegenüber liegt die Mytilos, ein Pfadfinderschiff. Während die wohlmeinenden, Gitarre spielenden und singenden Erzieher für Stimmung sorgen, spucken die renitenten Jugendlichen in den Hafen und fangen die Spucke mit der Pütz wieder ein. Na dann: Snächtle!

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