Samstag, 12. Juli 2014

"PFF..."


Malmön-Fjellbacka, Freitag 4. Juli
Über nacht hat es sich ausgeblasen. Jetzt reichts auch mit Malmön. Fjellbacka ruft, einer unserer vielen Sehnsuchtsorte im Norden von schwEDEN; und um 18:00 wollen wir wieder Zeugen von "One World One Fußball" sein: Deutschland im Viertelfinale gegen Frankreich. 

Wir haben einen wunderbaren alles-was-geht-wird-gesegelt-Tag mit einer Hauptwindrichtung, aber vielen verschiedenen Kursen durch den Skärengarten. Bei 2-3 Bft aus S, SW gleiten wir durch den Hamburgsund und zwischen den Skären hindurch. Der Hamburgsund trennt die Insel Hamburgö vom schwedischen Festland. Sein Name hat nichts mit unserer Heimatstadt zu tun. Hier müssen wir die Segel einrollen, Heinz ranlassen und auf die Kabelfähre achten. Jeder Felsen im Wasser ist ein kleines Kunstwerk aus der Eiszeit. Ein Gesicht bleibt besonders im Gedächtnis: Der Ahne liegt auf dem Rücken, mit steil aufragender Stirn, den Blick mit geschlossenen Augen in den Himmel gerichtet...  

Der Hafenmeister von Fjellbacka, wie überall meist ein Student bzw. eine Studentin mit Ferienjob, ist seit unserem letzten Besuch von der Touristeninfo abgekoppelt und hat ein eigenes kleines Kontor bekommen. Er weiß, dass die Pizzeria Lilla Berith heute  um 18:00 das Fußballspiel zeigt. Leider ist es um die Zeit noch so hell, dass man trotz großer Leinwand auch im abgedunkelten Restaurant die Spielzüge nur schlecht erkennen kann. Aber schlecht erkennen ist immer noch besser als gar nicht kucken. Deutschland gewinnt 1:0. Dass bei jedem Spiel ein anderer das Tor schießt (Hummels dieses mal), hält die Frau Kapitän für ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass nicht nur einzelne kreative Superstars den Zug zum Tor haben, und dass die Mannschaft an einem Strang zieht.

Wind:
SW, später SSW 2-3 Bft

Und sonst:
Heute ist amerikanischer Nationalfeiertag. "PFF", so stehts in Kapitalen auf einer Hütte im Sotekanal. Wir rätseln, ob es sich um ein "Seh-Zeichen" handelt. Wahrscheinlich heißt es so viel wie: "Pupen. Jetzt!" Sicher hat es keine symbolische Bedeutung, dass wir ausgerechnet heute hier vorbei kommen.

Beim Spaziergang durchs Städtchen versuchen wir, im Restaurang Bryggan einen Platz fürs Abendbrot zu reservieren und werden gleich abgewiesen. (Zu alt? Zu dick? Zu hässlich? Zu deutsch?...) Niemand hört gern aus dem Mund einer einfältigen Studentin, dass das Restaurant der Wahl ausgebucht ist, zumal die Lüge deutlich spürbar ist und jetzt irritierend zwischen uns und unserem Lieblingslokal steht. So tätigt die Frau Kapitän später einen Anruf, bei dem sie eine für das Restaurant schmeichelhafte Geschichte zum besten gibt und bekommt mühelos einen der schönsten Tische. Der Sonnenuntergang auf der Terasse vom Bryggan ist einfach nicht zu toppen! Spätestens hier und jetzt wird klar, dass wir das "PFF" auf der Hütte richtig interpretiert haben und worauf es sich bezog...


Hot rods
Fjellbacka, Samstag, 5. Juli 2014
Erst baden, dann frühstücken. Sehr erfrischend (16,6°C). Das salzige Nass gibt ein gutes Grundgefühl für den Tag. Mitsamt dem Kopf einzutauchen nimmt einem alle Schmerzen. 

Wir rekapitulieren, was wir an Fjellbacka so lieben:
den steil aufragenden Felsen mit den vielen Gesichtern,
Gorilla im Fjellbacka
an dessen Fuß sich Hafen und Häuser schmiegen; das Vandrerhem, wo Reisende auf engstem Raum in Stockbetten nächtigen; die Badestellen; die Klamottenläden; das Restaurant Bryggan mit dem sensationellen Ausblick; den Schiffsausrüster, der fast alles hat (Järnboden); den Fischladen mit dem frischesten Heilbutt aller Zeiten (Fisk, Skaldjur, Delikatesser); nicht zuletzt das Hafenkino: sitzen, kucken, quatschen oder Schnauze halten. 

Kleine Spritztour mit dem Dingi zu einer Badestelle, wo das Wasser quallenfrei ist. Um das Abendbrot zu verdienen, gibts vorher noch einen Aufstieg auf den Felsen
Aufstieg
mit anständigem Ausblick: soweit das Auge reicht. Wie lange in ruhigem Wasser die von Booten hervorgerufenen Wellen stehenbleiben!
Heckwellenballett
Ein Vater kommt auf dem Abendspaziergang mit seiner etwa achtjährigen Tochter bei uns längs. Das Mädchen deutet hier hin und dort hin und begleitet jede ihrer Handbewegungen mit Beobachtungen und Fragen. Geduldig erklärt der Vater ihr die Welt.

Wind:
SE 1-2

Wetter:
Später am Abend wieder ein Lehrlingsgewitter, mit Blitz und Donner, aber ohne Regen, sowie eine seltene Wolkenform:
Peniswolke mit Hodensack 

Wassertemperatur um 11:30: 16,6°C

Und sonst:
12:15, wir verholen uns an einen freigewordenen Platz längsseits des Steges gegenüber, da der Wind das Heck zu weit auf die Seite drückt

Angebadet Frau Kapitän 

Unser elektrischer Dingi-Motor verbraucht bei Höchstgeschwindigkeit etwa 1/3 mehr Saft als bei reduzierter Fahrt. 

Ein pinkfarbenes Hotrod röhrt vorbei

Übermütige Makrelen im Hafenbecken. Wie schon in Mollösund kriegt man sie nie zu Gesicht. Nur das Wasser "kocht".

Keine Bankfiliale mehr in Fjellbacka



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