Montag, 11. August 2014

Den Mund voller Wolken



Dienstag, 22. Juli 2014, Strömstad nach Ankerbucht Nickelbykilen
Da die Frau Kapitän gestern mit nassem Haar zu Bett gegangen ist, sieht sie morgens aus, als hätte der Friseur von Sophia Loren höchst persönlich Hand angelegt. 

Wir bevorraten für ein paar Tage, damit wir ankern können und lassen uns nach Süden treiben, wo am Wochenende der Juniorst vom Herrn Kapitän mit Freundin für ein paar Tage zusteigen will. Wir machen alles gaaaaanz laaaaaaangsam (siehe Lufttemperatur). 

Die Schweden in Strömstad sind ebenso freundlich und hilfsbereit wie die Norweger überall. Eine ältere Dame fordert die Frau Kapitän auf, sie ein Stück zu begleiten, damit sie ihr das gesuchte Geschäft zeigen kann. Unterwegs erzählt sie, dass Strömstad ganzjährig von Norwegern und im Sommer zusätzlich von allen möglichen anderen Touristen übervölkert ist. Die Frage, ob denn die Schweden auch in Norwegen Urlaub machen verneint sie. "Norway is much too expensive!"  Die alte Dame ist stark gebräunt, "I'm playing Golf and can't avoid it." Sie bewundert die weiße Mütze mit Nackenschutz, ohne die die Frau Kapitän dieser Tage nirgends mehr hingeht.

Wir sind immer noch im Hochdruck, unser Baro zeigt 1020 hPa. Das passt zum Weltmeistersommer. Die Ankerbucht von Nickelbykilen ist lang und schmal. Sie reicht 2 sm Richtung SE ins Festland hinein, ist also sehr geschützt. Einziger Wermutstropfen: Die Straße am Ende der Bucht und die hässlichen blauen Plastikschwimmkörper, die die Fischzucht markieren. Alle anderen Ausblicke sind schön. Das Wasser ist brackig, von oben gesehen schwarz, von drin betrachtet grün. Keine Feuerquallen, längerer, entspannter Aufenthalt möglich. Die Füße vom Körpergewicht enlasten, das Schwere ans Wasser abgeben tut gut. Danach wieder Quatsch machen. Auf dem Holz im Cockpit trocknen und mit der nassen Haut Geräusche machen. Das Ansaugen der nassen Hülle ergibt noch eine kleine Rückenmassage. Mittagsschlaf. Kaffebrot mit "Wiener Bröd" (Blätterteig mit Vanillefüllung). Mit dem Blick in den Himmel, wo Wolken so dicht und nah wie Zuckerwatte sanft vorbeischweben. Wolken essen. Den ganzen Mund voller Wolken.

Wir sind das einzige bewohnte Schiff in der Bucht. Aber noch bevor wir uns ganz als Eigner dieses lauschigen Plätzchens fühlen können, läuft ein Norweger zielstrebig und mit viel Tempo bis ganz hinten ein. Als wäre es ein einziger Bewegungsablauf, stoppt er auf, schmeißt den Anker, und springt dann selbst in hohem Bogen hinterher.

Wind und Wetter:
- umlaufend 1-2
- Lufttemperatur um 8:00 beträgt 24°C, 29°C um 13:00 
- die Badetemperatur um 16:00 beträgt 22°

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