Stora Kornö zurück nach Bovallstrand , Sonntag, 27. Juli 2014
Vor Anker aufzuwachen ist was Besonderes. Wir werfen uns lediglich mit Haut und Haar ins Wasser. Wie im Paradies. Immer noch eingekeilt zwischen dem Atlantikhoch und einem Hoch über Russland. Von Norden her will sich ein Tief hineindrängen, kann sich aber nicht durchsetzen. Wir müssen weiter ölen.
Östlich von Malmön gehen wir durch ein kleines Regattafeld, dann ist der Weg frei durch die von der Eiszeit geformte und von Salzwasser umspülte Steinwüste, die über Jahrtausende "von Wind und Wetter nachbearbeitet" wurde (Alltagsprosa des Herrn Kapitän), während die jungen Leute vorne an Deck liegen — "auf der Sonnenseite des Lebens" (Alltagspoesie der Frau Kapitän). Später bescheren Genaker und Groß uns einen kurzen Geschwindigkeitsrausch. Wir bringen das Schiff auf 8kn, so schnell wie der Wind. Immerhinque.
Bovallstrand seltsamerweise voll bis auf den letzten Platz. Wir legen uns als überletztes Schiff am Ende des Steges neben eine 50 Fuß Motiva, die mit dem Arsch zur Pier liegt. Am Bug hat der Skipper sich zwei Mooringleinen gezogen, obwohl jedem Schiff nur eine zusteht, und an die Außseite hat er jedem, der auch nur im entferntesten auf die Idee kommen sollte, da noch längsseits gehen zu wollen, gleich zwei Dingis in den Weg gelegt. Achtern hängen zwei monströse Fahrräder in den Stagen. An Bord ist niemand zu sehen. Was für ein Zeitgenosse wird da wohl später in Erscheinung treten? Der Herr und die Frau Kapitän wetten, dass: es sich bei dem Skipper um einen "netten, großen Typen" handelt (der Herr Kapitän); "dass man Arschlöcher an ihrem Schiff erkennt und daran, wie sie es angelegt haben" (die Frau Kapitän), und "dass es sich deswegen nur um einen verbissenen, kleinen, unsympathischen Mann mit dicker Frau" handeln kann.
Die erste Reaktion des Unsympathen auf unsere Anwesenheit ist der Versuch, uns zu verscheuchen. "If the wind changes direction and pushes my boat to the pier, you have to leave!" Ahja. Und warum das? Die Frau Kapitän macht den Mann darauf aufmerksam, dass er allein wegen der zwei Mooringleinen, die er in Gebrauch, hat mit wechselnden Winden keinerlei Probleme haben dürfte. "Don't worry. You've got two mooring lines!" Er wiederholt auf impertinente Art und mit renitentem Blick: "Yes, I HAVE GOT two mooring lines!" Also nicht nur tatsächlich klein, verbissen, unsympathisch (und mit dicker Frau), sondern auch noch arrogant obendrein, wie ein richtiges Arschloch eben. Etwas später wird ein paar Schiffe weiter ein Platz frei und wir verholen uns nochmal, weil Arschlöcher eine so schlechte Ausstrahlung und wir was besseres zu tun haben, als uns immer wieder zu ärgern, sobald wir dieses Exemplares ansichtig werden. Als er beim Ablegen helfen will, winkt der Herr Kapitän ab und klärt ihn darüber auf, dass wir woanders hingehen, "cause we do not like to be near you." Botschaft angekommen. Kleiner Mann zieht den vermutlich kleinen Schwanz ein.
Noch vor dem Abendbrot nehmen wir die voll ausgebaute Badestelle in Anspruch. Sie hat einen Einer, Dreier und Fünfer aufzuweisen. Der Herr Kapitän und der Juniorst werfen sich mit Freuden vom Dreier und vom Fünfer, für die Frau Kapitän und C bleibts beim vornehmen Kopfsprung vom Einer. Der Herr Kapitän ist von seinen Sprüngen aus der Höhe, besonders dem letzten (einem "Negerköpper"), derartig "üfferisiert", dass es ihm die Badehose auszieht. "Jetzt weiß ich, warum der Negerköpper Negerköpper heißt! — Weil die einen so großen haben, dass denen sowas nicht passieren kann!" Die einzige wirklich einleuchtende Erklärung!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen