Varberg, Freitag, 1. August 2014
Der Wind hat auf Südost gedreht. Es plätschert aufs Heck. Diesmal verlegen wir uns, nicht das Schiff: in die Vorderkajüte, solange wir noch keine Gäste an Bord haben. Noch vor dem Frühstück entdeckt der Herr Kapitän, dass sich das innere Hafenbecken merklich geleert hat. Als wir uns an eine fast leere Pier legen wollen, werden wir aber gleich wieder verscheucht, von Hafenarbeitern, die wegen des H-Boot Weltcups den halben Hafen absperren. Wir drehen ein paar Ehrenrunden, bis ein Deutscher aus Eck-Town uns wissen lässt, dass er gleich ablegt. Nach der Wartezeit und dem Manöver ist der halbe Vormittag um. Dann endlich frühstücken, Reinschiff machen, bevorraten, Stadtbummel, Festungsbesuch.
Heute ist es so schwül und drückend und entgegen der Vorhersage schwach windig, dass die Frau Kapitän am liebsten alles in der Horizontalen absolvieren würde, aber so lässt sich natürlich keine Festung besteigen. Eine stattliche Residenz, die sich — wie alle Festungen — über die Jahrhunderte wechselnde Bewohner unter den Nagel gerissen haben.
Die Innenstadt von Varberg weckt 50er Jahre Erinnerungen; die Oldtimer, mit denen Junge und Alte durch die Stadt spazieren fahren, zeugen davon, dass die Schweden im Sommer vor allem eins wollen: sehen und gesehen werden. http://youtu.be/mq0AdVfSBNE Varberg hat aber auch was von einer Westernkulisse, weshalb die Frau Kapitän auf der Stelle nochmal "Deadwood" sehen möchte.
Überall hocken Menschen in Trauben zusammen und quasseln. Zum Abendbrot steht ein zarter, zunehmender Mond im Osten, vor dem ein kleiner Junge auf der Mauer sich ausmacht wie Peter Pan. Eine Coverband dröhnt aus dem Park zu uns hinüber. Allesamt Hits aus vergangenen Zeiten, als wären es Erinnerungen von jemand anderem... (Rollin'..., Bad moon risin'... usw.)
| Sehen und gesehen werden... |
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